Begleitservice: Mobisaar-Lotsenservice

Was ist der mobisaar-Lotsenservice?

Bei dem mobisaar-Lotsenservice handelt es sich um ein Begleitangebot für mobilitätseingeschränkte Personen im Saarland. Fahrgäste, die Probleme haben, sich selbstständig in öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen, können sog. Mobilitätslotsinnen und –lotsen anfordern. Diese bieten den Fahrgästen:
• Begleitung von der Haustür bis zum Wunschziel (zum Einkaufen, zum Arzt, zur Bank, zu Bekannten usw.) und die Begleitung zurück
• Hilfe beim Ein-, Aus- oder Umsteigen
• Orientierungshilfe an Haltestellen
• Unterstützung beim Bedienen der Fahrkartenautomaten
• Beratung bei Fragen zum Fahrplan

 

Die Mobilitäts-Lotsinnen und –lotsen begleiten bei der Nutzung von Bus, Saarbahn, Regionalbahn und Regionalexpress (mobisaar-Service). Das augenblickliche Mindestalter, um den Service zu nutzen, ist 18 Jahre.
 

Der Begleitservice wird von haupt- und ehrenamtlichen Mobilitätslotsinnen und –lotsen durchgeführt. Diese werden regelmäßig für die Begleitung von mobilitätseingeschränkten Personen geschult und erhalten darüber hinaus speziell ausgerichtete Weiterbildungen. Für die Nutzenden ist der Service kostenlos, es wird lediglich ein gültiger Fahrschein benötigt. Die Service-Zeiten der hauptamtlichen Lotsinnen und Lotsen sind Montag bis Freitag von 8:00 bis 18:00 Uhr. Der Service kann per Telefon, über die Webseite von mobisaar oder App gebucht werden. Die Nutzenden müssen sich hierfür einmalig telefonisch bei der mobisaar Service Hotline registrieren. Über die Service Hotline erfolgen auch telefonische Buchungen.

Der Buchungsvorlauf sollte mindestens zwei Stunden betragen. Bei der Buchung muss der Name des Nutzenden, die gewünschte Uhrzeit, die Start- und Zielhaltestelle sowie die Art der Mobilitätseinschränkung (auch möglich je nach Tagesverfassung) angeben werden. Der Lotsenservice kann von Personen angefordert werden, die aufgrund einer Behinderung oder Verletzung Probleme haben, sich selbstständig fortzubewegen oder von Personen, die sich unsicher im Umgang mit dem ÖPNV fühlen.

Welche Ziele werden mit dem Projekt verfolgt?

Ziel des Angebotes ist es, mobilitätseingeschränkten Menschen im Saarland die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs zu erleichtern und so ihre Teilhabe am öffentlichen Leben zu erhalten bzw. zu verbessern. Barrieren im ÖPNV sollen mit dem Begleitservice überwunden und die Attraktivität des öffentlichen Verkehrsangebotes verbessert werden. Mobisaar ist eine Ergänzung zur Barrierefreiheit, kein Ersatz für diese. Der Service wird nicht nur in der Landeshauptstadt, sondern auch im ländlichen Raum angeboten. Zudem soll die Rolle des ÖPNV als Alternative zum eigenen Auto gestärkt werden.

Die bisherigen Erfahrungen aus dem Betrieb des Lotsenservice sind positiv. Die Lotsinnen und Lotsen sind in der Regel ausgebucht. 80 Prozent der Bevölkerung des Saarlands leben im Bedienungsgebiet des Begleitangebotes. Das Saarland ist hauptsächlich ländlich geprägt. Das Ziel ist es, ein Begleitservice-Angebot für das gesamte Saarland zu schaffen und damit Vorbild für andere Regionen in Deutschland zu sein.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

Der mobisaar-Service ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, der 2014 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin ausgeschrieben wurde. Unter der Überschrift „Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel“ wurden Projekte gesucht, die sich beispielhaft um die Bewältigung von Herausforderungen kümmern, die wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung entstehen. Mobisaar war eines von fünf ausgewählten Projekten und wird über einen Zeitraum von fünf Jahren mit etwa 4,8 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Gesamtkosten für das mobisaar-Projekt belaufen sich auf rund acht Millionen Euro. Der Träger des Projekts ist die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH. Das Vorgängerprojekt von mobisaar ist MOBIA.

Mobisaar ist ein innovatives sozio-technisches Projekt. Die zu entwickelnden Dienstleistungen, und damit auch die Technik, werden an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet. Die nutzergerechte Gestaltung der Informations- und Kommunikationstechnologien wird durch sog. Co-Entwickler unterstützt.
Im November 2015 wurde der Lotsenservice im Regionalverband Saarbrücken gestartet. In den folgenden vier Jahren wurde das Angebot auf drei weitere Landkreise im Saarland ausgeweitet (Saarpfalz-Kreis inkl. Stadt St. Ingbert, Neunkirchen und Saarlouis).

Die hauptamtlichen Mobilitätslotsen und Mobilitätslotsinnen sind bei verschiedenen saarländischen Bildungsträgern unter Vertrag. Für die ehrenamtlichen Mobilitätslotsen und Mobilitätslotsinnen sind drei weitere Projektpartner zuständig.

Projektpartner der mobisaar sind: iso (Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V.), Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, [ui!] urban mobility solutions - B2M Software GmbH, neue Arbeit Saar gGmbH, Sozialverband VdK Saarland e.V., LAG PRO EHRENAMT e.V., Bahnhofsmission/Diakonisches Werk an der Saar gGmbH. Hinzu kommen zahlreiche assoziierte Partner aus dem Bereich Bildung, Soziales, Teilhabe sowie ÖPNV. Von 2015 bis 2019 war der zuständige Verbundkoordinator des Projekts die Saarbahn GmbH. Die Nachfolge als Verbundkoordinator übernimmt seit September 2019 die Saarländische Nahverkehrs-Service GmbH (SNS).

Der öffentlich geförderte Arbeitsmarkt spielt eine wichtige Rolle für das Projekt mobisaar. Entsprechend muss in den einzelnen Landkreisen auch ein ausreichendes Angebot an Stellen zur Verfügung stehen. Auch die Steigerung des Bekanntheitsgrades erfordert konsequente Arbeit im Bereich Marketing/Kommunikation; etwa im ländlichen Raum. Die Corona-Pandemie war eine unvorhersehbare Herausforderung und verlangt natürlich einen besonders umsichtigen und sensiblen Umgang mit vulnerablen Personengruppen, zu denen auch die Kunden von mobisaar gehören.

November 2015:

Projektstart im Regionalverband Saarbrücken

Sommer 2016:

Ausdehnung des mobisaar-Services auf den Saarpfalz-Kreis

November 2017:

Ausdehnung des mobisaar-Services auf den Landkreis Neunkirchen

Mai 2019:

Ausdehnung des mobisaar-Services auf den Landkreis Saarlouis

September 2019:

Übergabe der Projektkoordination von der Saarbahn GmbH an die saarVV-SNS Saarländische Nahverkehrs-Service GmbH

November 2019:

mobisaar unter den Top 10 des Bundesteilhabepreises 2019

Mobisaar, 2020: Projektziele und Umsetzung. Zugriff: https://www.mobisaar.de/, Über mobisaar [abgerufen am 29.05.2020].
Mobisaar, 2015: mobisaarLotsenservice. Saarbrücken.
Wochenspiegel, 22.11.2019: Anerkennung für „mobisaar“, Zugriff: https://www.wochenspiegelonline.de/, News, Saarbrücken [abgerufen am 29.05.2020].