Was ist MIMS?
MIMS – Multimodales Innovatives Mobilitätssystem in der Region Hannover – ist ein Projekt der Region Hannover, das Anfang März 2025 den Zuschlag für das EU-Förderprogramm ELENA (European Local ENergy Assistance) der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalten hat. ELENA fördert u. a. innovative, nachhaltige und energieeffiziente Lösungen im Stadtverkehr.
MIMS beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung des On-Demand-Angebots, der Weiterentwicklung automatisierter ÖPNV -Angebote, dem Ausbau der Radinfrastruktur und Maßnahmen zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, wie städtebauliche Rahmenkonzepte, Planungen zu Stadtbahnverlängerungen oder Schulwegsicherungskonzepte.
MIMS besteht aus folgenden Maßnahmen, die innerhalb des Vorhabens weiterentwickelt werden:
Das On-Demand-Angebot sprinti
sprinti hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einer Erfolgsgeschichte in der Region Hannover entwickelt. Am 1. Juni 2021 startete das Angebot als Pilotprojekt in Sehnde, Springe und der Wedemark. Ziel war es, insbesondere Menschen in Gebieten mit einem eingeschränkten Linienangebot flexibel und bedarfsgerecht an den öffentlichen Nahverkehr anzubinden. Durch das Modellprojekt „MoHaWiV“ (Förderprojekt des Bundesministeriums für Verkehr, BMV: „Modellregion Hannover: Wendepunkte im Verkehr“) erfolgte die Ausweitung von sprinti auf weitere Kommunen. Im Herbst 2023 wurde das Bediengebiet im Osten und im Winter 2023 schließlich auch im Westen der Region erweitert. Damit wuchs sprinti auf zwölf Kommunen und eine Flotte von 120 Fahrzeugen an. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Service bereits mehr als eine Million Fahrten absolviert. Im November 2023 wurde sprinti mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet. Seit dem 1. August 2025 schafft MIMS einen wichtigen planerischen Rahmen für die kontinuierliche Innovation und strategische Weiterentwicklung von sprinti. Inzwischen ist die Flotte auf 130 Fahrzeuge angewachsen, von denen 60 vollständig elektrisch unterwegs sind. Zum fünften Geburtstag am 1. Juni 2026 verzeichnete sprinti bereits mehr als 4,5 Millionen Fahrten. Parallel dazu richten sich die Planungsarbeiten bereits auf den sprinti-Betrieb ab dem Jahr 2028. Am 9. Juni 2026 wurde im Rahmen von MIMS der Zuschlag für eine Studie erteilt, die untersuchen soll, ob und wie autonome Fahrzeuge nach 2027 in das sprinti-Angebot integriert werden können. Damit stellt die Region Hannover frühzeitig die Weichen für die nächste Entwicklungsstufe des On-Demand-Verkehrs. Ziel ist es, sprinti auch langfristig als bedarfsgerechtes, verlässliches und zukunftsfähiges Mobilitätsangebot für die Menschen in der Region weiterzuentwickeln.
albus
Mit albus – kurz für „Autonomer Linienbus“ – nimmt die Region Hannover eine Vorreiterrolle bei der Erprobung automatisierter Mobilität im ÖPNV ein. Das Projekt startete im Frühjahr 2023 und wird gemeinsam mit der ÜSTRA umgesetzt. Für das Vorhaben stehen insgesamt 6,3 Millionen Euro zur Verfügung, davon rund 3,7 Millionen Euro aus einer Förderung des Bundesministeriums für Verkehr. Nach umfangreichen technischen Vorbereitungen, rechtlichen Prüfungen und der Genehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt begann am 15. September 2025 der öffentliche Testbetrieb in Burgdorf. Damit ging in Deutschland erstmals ein automatisierter Linienbus dieser Größe im realen Straßenverkehr in Betrieb. Der acht Meter lange Elektrobus mit 22 Sitzplätzen fuhr mit einer Level-4-Automatisierung auf einer rund sechs Kilometer langen Strecke, angelehnt an die Linie 906. Während des Testbetriebs war geschultes Fahrpersonal an Bord, das bei Bedarf eingreifen konnte. Bis Ende Juni 2026 absolvierte albus rund 1.500 Testfahrten und stellte die technische Machbarkeit des automatisierten Linienbetriebs unter realen Bedingungen unter Beweis. Am 30. Juni 2026 stimmte die Regionsversammlung der Fortführung des Projekts zu. In der zweiten Projektphase, die bis Ende 2027 läuft, soll der Testbetrieb ausgeweitet und weiter optimiert werden. Die beschlossene Fortführung schafft die ideale Grundlage für die Weiterentwicklung durch MIMS. Da im Projekt albus selbst keine Mittel für eine umfassende rechtliche Begleitung vorgesehen sind, plant MIMS zusätzliche Ressourcen für den gesamten Beschaffungsprozess der drei autonomen Busse bereitzustellen. Durch die enge Verzahnung beider Projekte kann dieser innovative Prozess von Beginn an rechtssicher vorbereitet und begleitet werden. Damit stellt die Region Hannover frühzeitig die Weichen für eine schrittweise und nachhaltige Integration autonomer Fahrzeuge in den ÖPNV.
Social2Mobility
Mit Social2Mobility rückt die Region Hannover die Verbindung zwischen Mobilität und sozialer Teilhabe in den Mittelpunkt. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt startete am 1. April 2019 und untersuchte, wie die Mobilitätsmöglichkeiten von Menschen verbessert werden können, die von Armut bedroht oder betroffen sind. Die Untersuchungen zeigten, dass Menschen mit geringem Einkommen seltener ein Fahrrad besitzen, häufiger in einem weniger fahrradfreundlichen Umfeld leben und stärker auf kurze Wege angewiesen sind. Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten lernen zudem oftmals später Fahrradfahren. Auf diesen Erkenntnissen baute ab April 2022 das Folgeprojekt Social2Mobility II auf. In Laatzen, Langenhagen und Ronnenberg wurden gemeinsam mit Kommunen, sozialen Einrichtungen, Vereinen und betroffenen Personen Fahrradlernkurse, kostenlose oder kostengünstige Reparaturangebote sowie eine mobile Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt erprobt. Diese Vorarbeiten werden seit Mai 2026 mit der Fahrradoffensive im Rahmen von MIMS in die Breite getragen. Nach Abschluss des Vergabeverfahrens wurde das Umweltzentrum Hannover mit der Koordination beauftragt. Bis Mitte 2029 sollen in drei Leuchtturmkommunen unterschiedliche Angebote wie Fahrradkurse, Selbsthilfeprojekte und Reparaturworkshops umgesetzt, erprobt und kontinuierlich verbessert werden. Über MIMS werden die Koordinationskosten der Fahrradoffensive in Höhe von rund 120.000 Euro zu 90 Prozent gefördert. Ergänzende Investitionen in Radwege, Beleuchtung und weitere Fahrradinfrastruktur schaffen zugleich bessere Rahmenbedingungen für die tägliche Nutzung. Damit führt die Region Hannover die Erkenntnisse aus Social2Mobility konsequent in die praktische Umsetzung und macht das Fahrrad für weitere Bevölkerungsgruppen als kostengünstiges, selbstbestimmtes und alltagstaugliches Verkehrsmittel zugänglich.
Welche Ziele werden mit MIMS verfolgt?
Die Region Hannover hat das Ziel, ihre öffentlichen Verkehrsangebote nachhaltiger, zugänglicher, attraktiver und zukunftsfähiger zu gestalten. Grundlage dafür ist das „Aktionsprogramm Verkehrswende – VEP 2035+“, das unter anderem eine CO₂-Minderung der verkehrsbedingten Emissionen um 70 Prozent und Verbesserungen der Aufenthalts- und Lebensqualität vorsieht.
Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?
Der Vertrag zwischen der Region Hannover und der EIB wurde im Juli 2025 unterzeichnet, sodass das Projekt am 01.08.2025 starten konnte. Der Förderzeitraum beträgt vier Jahre. Innerhalb des Förderzeitraums wird die Region Hannover alle notwendigen Planungs- und Vorbereitungsmaßnahmen übernehmen, um wichtige Investitionen in den öffentlichen Nah- und Radverkehr anzustoßen.
Der offizielle Projektauftakt fand im Dezember 2025 in Hannover statt und markierte den Beginn der konkreten Planungsphase. Organisiert von der Region Hannover brachte das Kick-off-Event zentrale Akteure aus Verwaltung, Verkehrsbetrieben und der EU zusammen. Im Rahmen des Termins in Hannover konnten sich die Teilnehmenden auch vor Ort ein Bild vom aktuellen Stand bestehender Projekte machen. Eine Testfahrt mit dem autonomen Linienbus „albus“, der derzeit in Burgdorf erprobt wird, sowie Einblicke in das On-Demand-System sprinti verdeutlichten, auf welcher Basis MIMS aufbaut und wie die einzelnen Mobilitätsangebote künftig stärker zusammenwirken sollen.
Mit der Fahrradoffensive ist darüber hinaus im Mai ein wichtiges Teilprojekt von MIMS gestartet, dessen Ziel es ist, das Fahrrad allen Bevölkerungsgruppen als praktisches und kostengünstiges Mobilitätsmittel zugänglich zu machen.
Für die Planung und Vorbereitung aller notwendigen Maßnahmen in MIMS sind 2,17 Millionen Euro angesetzt, die zu 90 Prozent durch das ELENA-Programm gefördert werden. Die dadurch angestoßenen Investitionen werden einen Wert von über 30 Millionen Euro haben.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Bei der Umsetzung sind folgende Herausforderungen aufgetreten:
- Sicherstellung der Finanzierung von Planungs-, Investitions- und Betriebskosten
- Verzahnung verschiedener Angebote im ÖPNV
- Teamübergreifende Koordination und Projektmanagement
- Volatile Marktsituation und fehlende Serienfertigung für europäische, autonome Fahrzeuge
- Kommunikation mit der EU
- Beteiligung der Kommunen erfordert ein hohes Maß an Koordination
Verwandte Maßnahmen (9)
Anrufbürgerbus
Anrufbus (F-Bus)
Anrufbus (R-Bus)
Anrufbus (RF-Bus)
Anruflinienbus
Anruflinientaxi
Anrufsammelbus
Anrufsammeltaxi
Weitere Praxisbeispiele (9)
Autonome Fahrzeuge im ÖPNV: Modellregion Ostprignitz-Ruppin
flitsaar - Der On-Demand-Service fürs Saarland
On-Demand-Ride-Pooling-System im Landkreis Oder-Spree: DALLI
On-Demand-Shuttle in den Landkreisen Stormarn und Harburg
On-Demand-Verkehr: callheinz im Landkreis Rhön-Grabfeld
Publikationen zum Thema (2)
Weiterführende Informationen (1)
Projektseite des MIMS [abgerufen am 10.09.2026].
Meilensteine (7)
Start der Vorarbeiten zum ELENA-Förderantrag
Einreichung des ELENA-Förderantrags
Erhalt des Zuschlags
Start des Projekts
Kickoff-Veranstaltung
Start der Fahrradoffensive
Start der Vorbereitungsstudie für den Einsatz autonomer Fahrzeuge im sprinti-Angebot
Quellen (1)
Region Hannover, 2026.