Dorfauto: Dörpsmobil Klixbüll

Welches Ziel wurde verfolgt? 

Die Gemeinde Klixbüll im Kreis Nordfriesland ist ein ländliches, langgezogenes Straßendorf, in dem 974 Menschen leben. Im Zuge des demografischen Wandels und der immer weiteren Wege zu Versorgungseinrichtungen steigt der Mobilitätsbedarf. Zudem nimmt die Angebotsqualität des ÖPNV aufgrund der niedrigen Fahrgastzahlen nicht zu. Um dem steigenden Mobilitätsbedarf zu begegnen, wurden mit dem sogenannten Dörpsmobil (Plattdeutsch Dörp = Dorf) zwei Dorfautos eingeführt, die Einwohnerinnen und Einwohner und Touristinnen und Touristen stunden- oder tageweise mieten können. Auch die Gemeinde nutzt die Fahrzeuge für Dienstfahrten.

Zudem besitzt die Gemeinde einen eigenen Windpark zur Stromerzeugung, dessen Strom zum Laden der E-Autos verwendet wird, ehe er abgeregelt oder abtransportiert wird (Sektorenkopplung). Beide Dorfautos werden durch den zugehörigen Verein Dörpscampus Klixbüll e.V. koordiniert. Alternativ können die Fahrzeuge über die Photovoltaikanlage der Mobilstation geladen werden.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung? 

Ein Dörpsmobil steht für alle Mitglieder des Vereins zugänglich an der Mobilitätsstation zwischen zwei Baugebieten, wobei das letzte Baugebiet als zweitwagenfreies bzw. zweitwagenarmes deklariert wurde. Die Mobilitätsstation erzeugt über eine Photovoltaikanlage mehr Strom, als ein Dörpsmobil im Jahr verbraucht. Die stundenweise Reservierung eines Dörpsmobils erfolgt über das Onlineportal des Vereins, in dem jeder, der einen der Wagen nutzen möchte, registriert sein muss. Alle Vereinsmitglieder zahlen einen monatlichen Grundbeitrag von etwa 5 Euro sowie eine Fahrzeugmiete von 3,50 Euro pro Stunde (Urlaubs- und Ganztagstarife sind ebenfalls möglich) und sind bei Nutzung über den Verein versichert.

Fördermittel der AktivRegion Nordfriesland Nord, der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e.V., des Landes-Innenministeriums und des Landes-Umweltministeriums unterstützen die Bekanntmachung des Projekts aktiv. Damit installierte die Gemeinde auch ein differenziertes Ladeleistungssystem, bestehend aus neun Ladesäulen, die mit unterschiedlicher Ladeleistung zwischen 3,7 und 22 Kilowatt je nach erwartetem Bedarf im Gemeindegebiet stehen. Die Installation der neun Ladesäulen kostete 26.000 Euro und wurde mit 17.000 Euro bezuschusst.

Die Kosten aus Betrieb und Benutzung der Fahrzeuge tragen sich allein aus den Mitgliedsbeiträgen und Nutzungsgebühren. Das spiegelt die durchweg positive Akzeptanz wider. Seit der Dorfinformationsveranstaltung im Januar 2016 und der Installation der Autos im April 2016 nutzen etwa 30 Personen das Dörpsmobil in Klixbüll regelmäßig. Dazu sind 20 weitere Dörpsmobile in anderen Orten entstanden. Daher wurde nun auch ein eigens für das Dörpsmobil zuständiger Manager vom Land Schleswig-Holstein eingestellt, der den Prozess koordiniert und eine Implementierung des Konzepts in weiteren schleswig-holsteinischen Gemeinden vorantreibt.

Durch den großen Erfolg erhält die Gemeinde bundesweit große Aufmerksamkeit. Das Dörpsmobil wurde schon mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Themenpreis bei der schleswig-holsteinischen Energieolympiade und dem Tassilo-Tröscher Preis der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. (2017). Perspektivisch soll das Dörpsmobil die Rufbus-Systeme in Schleswig-Holstein ersetzen.

Es muss berücksichtigt werden, dass das Dörpsmobil grundsätzlich nur das Mobilitätsangebot derjenigen verbessert, die selbst Auto fahren können und wollen. Zur Abmilderung dieses Nachteiles gibt es ein Mitfahrportal und das Angebot eines ehrenamtlichen Fahrdienstes und eines ehrenamtlichen Bring- und Holdienstes.

Wichtig für die Umsetzung ist, Menschen zu finden, die bereit sind, die Organisation eigenverantwortlich zu übernehmen. Der Leasinggeber forderte eine Bürgschaft für das Auto, da der Verein aus seiner Sicht noch sehr jung war. Diese Bürgschaft wurde von einem Vereinsmitglied übernommen. Die Gemeinde beschreibt, dass ihr Förderantrag für das Projekt beim Landesumweltministerium teilweise abgelehnt wurde. Da nach Aussage des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein beim Leasing eines Fahrzeuges eine Förderung nicht möglich ist, wurde nur die Einrichtung der Ladeinfrastruktur bezuschusst.

Januar 2016:

Bürgerinfoversammlung zur Einführung des Dörpsmobils

Februar 2016:

Förderantrag zur Errichtung der Ladeinfrastruktur

Wegweiser-Kommune: Klixbüll – Das Dörpsmobil, Zugriff: https://www.wegweiser-kommune.de/projekte/kommunal/klixbull-das-dorpsmobil [abgerufen am 28.09.2020].

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