Mobilitätsstation Werther (Westfalen)

Welches Ziel wurde verfolgt? 

Werther ist eine Kleinstadt mit rund 11.000 Einwohnerinnen und Einwohnern (Bevölkerungsdichte: 318 EW je km²) im Kreis Gütersloh, rund 10 km von Bielefeld entfernt und grenzt an Niedersachsen. Neben Werther besteht die Kleinstadt aus sechs weiteren Ortsteilen. Die Stadt umfasst eine Fläche von 35 km², von denen rund 82 Prozent aus landwirtschaftlichen Flächen und Waldflächen bestehen. Das Stadtgebiet weist zudem große Höhenunterschiede auf. Bis 2030 wird mit einem Bevölkerungsrückgang von über 6 Prozent gerechnet. Ziel der Kleinstadt Werther war die barrierefreie Umgestaltung des Busbahnhofs bis zum 01.01.2022 gemäß § 8 PBefG unter Nutzung entsprechender Fördermittel. Zudem sollte geklärt werden, was mit dem damals bereits nicht mehr genutzten Pavillon am Busbahnhof geschehen sollte. In diesem Zuge wurden schließlich die komplette Neugestaltung des Busbahnhofes und der Ausbau zu einer Mobilitätsstation angestrebt, die die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger an die öffentliche Mobilität erfüllt. 

Wie sieht die Mobilitätsstation aus?

Die Mobilitätsstation Werther bietet acht Bushalteplätze, einer davon für den Bürgerbus. Zwölf Buslinien fahren die Mobilitätsstation täglich rund 170-mal an. Die Mobilitätsstation bietet zudem eine Ladestation für zwei Elektrofahrzeuge, 26 überdachte und abschließbare sowie 38 offene Fahrradstellplätze. Auf dem Parkstreifen wurden eine cambio Carsharing-Station sowie Stellplätze für Park + Ride eingerichtet. Die Mobilitätsstation ist barrierefrei erreichbar. Dazu gehören der Einbau eines taktilen Leitsystems für Sehbehinderte, das über den Tastsinn zu erspüren ist, sowie eine Erhöhung des Bordes (Bordstein), der einen Einstieg mit Rollator oder Rollstuhl nach Absenken des Busses ermöglicht. Digitale Informationssysteme informieren die Nutzer und Besucher sowohl über Abfahrten als auch über aktuelle Veranstaltungen und Neuigkeiten in Werther. Zudem verfügt die Mobilitätsstation über begrünte Wartezonen mit Sitzbänken unter Bäumen, freies WLAN und ein barrierefreies WC. Das Dach der Fahrradgarage ist mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet, die den Busbahnhof nachhaltig mit Energie versorgt. Die Einführung eines neuen, kilometerabhängigen Tarifsystems für den ÖPNV via Smartphone befindet sich aktuell noch in der Planung.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung? 

Zunächst fand am 03.02.2015 ein Ortstermin mit Vertretern des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) sowie der Bezirksregierung Detmold statt, bezüglich der Förderfähigkeit sowohl einer Umgestaltung bzw. Sanierung des Pavillons als auch der Fahrradunterstände. Im Rahmen der Erörterung seitens der vorgenannten Vertreter wurde aufgezeigt, dass ein neu zu gestaltender zentraler Omnibusbahnhof zu voraussichtlich 90 Prozent (ohne Planungskosten) gefördert werden könnte. Damit ergab sich die Möglichkeit, unter Aufbringung eines Eigenanteils von 10 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten zzgl. der Übernahme der Planungskosten, eine zukunftsorientierte Einrichtung einer Mobilitätsstation anstelle eines voraussichtlich in den nächsten Jahren weiter unterhaltungsanfälligen Busbahnhofes zu erreichen. Auf dieser Basis wurde zunächst ein Grundsatzbeschluss des Rates der Stadt Werther herbeigeführt, der die Stadtverwaltung damit beauftragt hat, zu prüfen, welche Maßnahmen für die barrierefreie Einrichtung einer Mobilitätsstation notwendig sind. 

Mit der Planung wurde ein Ingenieurbüro beauftragt. Parallel wurden Gespräche mit den Verkehrsträgern, Förderstellen sowie dem Bürgerbusverein geführt und die Öffentlichkeit über zwei Bürgerworkshops einbezogen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Ideen sind in die Planung eingeflossen. Begleitend zur Planung und Umsetzung fanden viele Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen statt. 

Erfolgsfaktoren des Projektes waren insbesondere, dass ein verantwortlicher Rathausmitarbeiter das Projekt von Anfang bis Ende begleitete und die Koordination übernommen hat sowie, dass alle relevanten Stakeholder (Verkehrsträger, Förderstellen, Bürgerbusverein etc.) und insbesondere die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an eng in die Planung einbezogen wurden. Besonders hervorzuheben ist auch die projektbegleitende Öffentlichkeitsarbeit, durch die die Bürgerinnen und Bürger informiert wurden und durch die der Projektfortschritt transparent dargestellt wurde bzw. wird. Dabei wurde die Lokalpresse einbezogen, die die Planungs- und Baufortschritte beschrieb. Zum anderen können sich die Bürgerinnen und Bürger jederzeit über den „ZOB-Blog“ über den Fortschritt informieren, der neben Informationen auch eine Webcam anbietet, über die die Arbeiten verfolgt werden konnten. 

Zudem fand gegen Ende der Bauarbeiten eine öffentliche Baustellenbesichtigung statt, bei der die bisherigen Schritte vorgestellt wurden. Zudem fand ein Rundgang statt, bei dem ein Mitarbeiter des beauftragten Ingenieurbüros die besonderen Ausstattungsmerkmale erläuterte und die Bürgerinnen und Bürger über das Projekt informierte. 

Wie das neue Angebot angenommen wird, muss die nächste Zeit zeigen. Im weiteren Betrieb sollte beobachtet werden, welches Nutzungsverhalten sich einstellt und ob gegebenenfalls noch Optimierungsbedarf besteht. Durch den Weiterbetrieb des Blogs werden die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin bezüglich der Mobilitätsstation auf dem Laufenden gehalten.

Stadt Werther, Februar 2019: ZOB. Zugriff: https://www.stadt-werther.de.
Westfalen Blatt, 14.11.2018: Abfahrt an neuen Haltestellen - Umbau des Busbahnhofes Werther angelaufen. Zugriff: https://www.westfalen-blatt.de, OWL, Kreis Gütersloh, Werther.
Haller Kreisblatt, 16.12.2019: Eröffnung der Mobilstation in Werther steht kurz bevor. Zugriff: https://www.haller-kreisblatt.de, Lokal, Werther.
Ratsinformationssystem Werther, 28.05.2015: Drucksache Nr. 137/2015: Neubau bzw. Sanierung des Zentralen Omnibusbahnhofes (ZOB); hier: Grundsatzbeschluss. Zugriff: https://werther.ratsinfomanagement.net.
Bertelsmann Stiftung, o. A.: Demographiebericht Werther. Zugriff: https://www.wegweiser-kommune.de.
Wikipedia, 18.03.2020: Werther (Westf.). Zugriff: https://de.wikipedia.org/.

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