Bedarfsanalyse

Was ist eine Bedarfsanalyse?

Im Rahmen der Bedarfsanalyse wird der Mobilitätsbedarf einer Zielgruppe oder der Bevölkerung untersucht und strukturiert aufbereitet. In der Regel werden dabei exakte Quelle-Ziel-Relationen erfasst, die Aufschluss über die räumliche und zeitliche Verteilung der Mobilitätsbedürfnisse geben. Zudem bietet es sich an, die Fahrtzwecke (z. B. Arbeit, Ausbildung, Freizeit oder Besorgungen) und die genutzten Verkehrsmittel bzw. Umstiege zu erfassen. Dabei können auch Probleme, die bei der Befriedigung dieser Mobilitätsbedürfnisse entstehen (z. B. geringe Taktung oder lange Umsteigezeiten), analysiert werden. Die Bedarfsanalyse baut auf Datenerhebungsmaßnahmen, wie beispielsweise einer Kundenbefragung, auf, da zunächst Informationen über die Bedürfnisse, Erfahrungen, Wünsche und das Nutzungsverhalten der Zielgruppe vorliegen müssen. Im nächsten Schritt werden diese Informationen in der Bedarfsanalyse strukturiert untersucht und aufbereitet. Dabei wird zwischen dem Ist-Zustand und den alternativen Möglichkeiten unterschieden. Der Ist-Zustand zeigt beispielsweise auf, zu welchen Uhrzeiten wie viele Menschen eine bestimmte Strecke mit dem ÖPNV zurücklegen. Darauf aufbauend können die Erwartungen der Zielgruppe an die Mobilität am eigenen Standort sowie der Bedarf und bestehende Probleme mit verschiedenen Verkehrsmitteln erarbeitet werden. Die alternativen Möglichkeiten zeigen auf, wie die Strecke anders zurückgelegt werden könnte. 

Im Ergebnis lassen sich zeitlich und räumlich differenzierte Aussagen zum Bedarf bzw. zu bestehenden Problemen mit verschiedenen Verkehrsmitteln treffen.

Welchen Zweck hat eine Bedarfsanalyse?

Die Bedarfsanalyse liefert wichtige Informationen über den aktuellen Ist-Zustand und die Erwartungen der Kunden an das aktuelle Mobilitätsangebot im ländlichen Raum. Ziel der Bedarfsanalyse ist es, mögliche Lücken und Verbesserungspotentiale im Mobilitätsangebot zu identifizieren. Auf dieser Basis können Konzepte erarbeitet werden, die konkret den Vorstellungen und Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen. Diese bilden wiederum den übergeordneten strategischen Rahmen für die Umsetzung konkreter Maßnahmen, wie bedarfsorientierte ÖPNV-Angebote, PlusBusse oder Carsharing. Darüber bietet es außerdem die Möglichkeit, frühzeitig durch neue Mobilitätskonzepte auf die Veränderungen durch den demographischen Wandel zu reagieren.

Für die Erstellung einer Bedarfsanalyse werden Informationen über das bestehende Mobilitätsangebot, die Bevölkerungsstruktur, lokale Versorgungseinrichtungen sowie die räumliche Struktur des Untersuchungsgebietes und das Straßennetz benötigt. Da die Bedarfsanalyse viele Möglichkeiten der Untersuchung bietet, müssen die jeweils relevanten Parameter identifiziert werden, beispielsweise das Untersuchungsgebiet, der Untersuchungszeitraum oder die Zielgruppe. Bevor konkrete Mobilitätskonzepte erarbeitet werden können, ist die Durchführung einer Bedarfsanalyse empfehlenswert. Deshalb wird sie bereits in einer frühen Projektphase initiiert, damit ortspezifische Gegebenheiten in das Konzept einbezogen werden können.

Zudem kann auf Basis der Bedarfsanalyse eine detailliere Problemanalyse durchgeführt werden. Eine Problemanalyse erfasst Herausforderungen, die bei der Befriedigung der Mobilitätsbedarfe entstehen und kann genutzt werden, um Handlungsfelder zu identifizieren. Dabei können beispielsweise die folgenden Fragen beantwortet werden:

  • Warum wird das bestehende ÖPNV-Angebot nicht ausreichend genutzt?
  • Welche Ziele sind derzeit nur schlecht bzw. nur mit dem MIV erreichbar?
  • Welche Herausforderungen ergeben sich bei der ÖPNV-Nutzung durch bestimmte Zielgruppen (z. B. Senioren oder Pendelnde)?

Die Problemanalyse hilft dabei, ein besseres Verständnis der in der Bedarfsanalyse identifizierten Mobilitätsbedarfe zu entwickeln. So können auch latente Nutzungshemmnisse (z. B. die geringe Bekanntheit eines Angebotes, Unsicherheiten bei der Bedienung oder der Ticketauswahl) offengelegt werden.

Die Qualität der Bedarfsanalyse ist abhängig von den vorliegenden Informationen, die beispielsweise im Rahmen einer Kundenbefragung erhoben wurden. Deshalb ist darauf zu achten, dass die befragten Personen einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung oder der relevanten Zielgruppe darstellen.

ADAC – Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V., 2016: Mobilitätssicherung im ländlichen Raum. München.
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, 2017: Ergebnisbericht Nahmobilität für Migranten als Bestandteil einer erfolgreichen Integrationsstrategie – Eine Bedarfsanalyse für das Rhein-Main-Gebiet. Frankfurt.