Entwicklung einer Zielvision

Entwicklung einer Zielvision
Quelle: marchmeena29 / Getty Images

Was ist der Zweck einer Zielvision?

Eine Zielvision beschreibt das Leitbild für die zukünftige Entwicklung der Mobilität in der jeweiligen Region. Sie besteht aus weiteren Unterzielen und erfasst verschiedene Dimensionen der Mobilität: verkehrlich, wirtschaftlich, sozial, umwelttechnisch.

Eine Zielvision kann qualitative und quantitative Ziele umfassen und erlaubt es, diese ganzheitlich zusammenzuführen und darzustellen. 

Mithilfe einer Zielvision kann ein übergeordneter, strategischer Rahmen geschaffen werden, in dem einzelne Mobilitätsmaßnahmen und -projekte entwickelt werden. Mögliche Synergien und Zielkonflikte zwischen Einzelmaßnahmen können so frühzeitig erkannt werden. Eine übergeordnete Zielvision unterstützt zudem dabei, in konkreten Projekten Einzelziele festzulegen, da diese nicht ausschließlich im jeweiligen Kontext betrachtet werden.

Zudem eignet sich die Zielvision zur aktiven Ansprache der Bevölkerung und der politischen Entscheidungstragenden. Dabei können beide Gruppen zunächst bei der Entwicklung der Zielvision eingebunden werden, um deren Anforderungen und Bedenken aufzugreifen und so die Akzeptanz des Leitbildes zu erhöhen. Für die Umsetzung weiterer Maßnahmen kann die Zielvision genutzt werden, um zu kommunizieren, wie die jeweilige Maßnahme zur Erreichung der Zielvision beiträgt.

Wie kann eine Zielvision entwickelt werden? 

In der Regel wird eine Zielvision aus einer oder mehreren konkreten Fragestellungen heraus entwickelt. Das bedeutet, dass beispielsweise aufgrund von Klimaschutzvorgaben oder Erreichbarkeitsproblemen Maßnahmen geplant werden, für die Ziele vereinbart werden müssen. An dieser Stelle wird das Fehlen eines übergeordneten Leitbildes, aus dem diese Ziele abgeleitet werden können, häufig sichtbar. 

Die Erstellung einer Zielvision kann beispielhaft entlang der folgenden Schritte erfolgen: 

  1. Analyse des Status quo: Die aktuelle Situation vor Ort bildet die Ausgangslage für die weitere Arbeit und umfasst qualitative und quantitative Merkmale der Mobilität sowie bestehende Herausforderungen.
  2. Festlegung des Zielzeitpunktes: Für die Zielvision muss ein Zieljahr gewählt werden, auf das die weiteren Arbeitsschritte ausgerichtet werden können. In der Regel sind hierfür Zeiträume von mindestens zehn Jahren sinnvoll, um die Planung und Umsetzung verschiedener Maßnahmen zu ermöglichen.
  3. Umfeldanalyse: Hierdurch wird beantwortet, mit welchen übergeordneten Entwicklungen, die nicht unmittelbar gesteuert werden können, bis zum Zieljahr zu rechnen ist. Dies betrifft insbesondere die Bevölkerungsentwicklung, regulatorische Vorgaben (z. B. Klimaschutzziele) oder auch Megatrends wie die Digitalisierung. Anschließend werden die sich aus diesen Entwicklungen ergebenden Anforderungen und Chancen für die zukünftige Mobilitätsentwicklung vor Ort abgeleitet.
  4. Festlegung der lokalen Agenda: Hierbei wird zusammengetragen, welche Maßnahmen sich derzeit vor Ort in Umsetzung oder Planung befinden und welche Ziele dabei verfolgt werden. Zudem wird analysiert, welche weiteren Maßnahmen durch die Bevölkerung, Wirtschaft oder Politik gefordert werden. Bestehen kommunale Ziele, die darüber hinaus zu berücksichtigen sind? Welche Handlungsspielräume oder Restriktionen bestehen für die Umsetzung zukünftiger Maßnahmen? 
  5. Zusammenführung: Aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen wird die Zielvision entwickelt. Dabei kann die Gestaltung verschiedener Szenarien sinnvoll sein, die mögliche Entwicklungspfade zur Zielerreichung aufzeigen. Im Fokus steht dabei die Zusammenführung der unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen, die mit konkreten Maßnahmen untersetzt werden. Zudem sollte die Zielvision flexibel gestaltet werden und neuen Erkenntnissen Rechnung tragen, wenn diese zu wesentlichen Änderungen der Rahmenbedingungen führen.

Trägt die Zielvision den lokalen Voraussetzungen nicht ausreichend Rechnung, beispielsweise indem zentrale Probleme nicht adressiert oder finanzielle Restriktionen ignoriert werden, wird Widerstand und Ablehnung erzeugt. Die Zielvision wird als unrealistisch oder nicht geeignet wahrgenommen. Gleichzeitig kann eine wenig ambitioniert Zielvision für Ernüchterung sorgen, wenn die darin festgelegten Ziele als unzureichend aufgefasst werden.

Schedler, Kuno und Siegel, John Philipp: Strategisches Management in Kommunen. Ein integrativer Ansatz mit Bezug auf Governance und Personalmanagement. Zugriff: https://www.boeckler.de [abgerufen am 12.11.2020].