E-Scooter-Sharing

Nahaufnahme von Menschen mit Elektroroller im Stadtpark.
Quelle: ViewApart / Getty Images

Was ist das E-Scooter-Sharing?

Das E-Scooter-Sharing ist vergleichbar mit dem Car- oder Bikesharing. Dabei bestehen zwei verschiedene Modelle: Beim stationären Modell erfolgen die Ausleihe und Rückgabe der E-Scooter an festen Stationen, die sich in der Regel in der Nähe einer ÖPNV-Haltestelle befinden. Häufig werden die E-Scooter an diesen Stationen zudem wieder geladen. Beim E-Scooter-Sharing nach dem Free-Floating-Prinzip bestehen keine festen Stationen und die Ausleihe und Rückgabe kann im gesamten Bedienungsgebiet erfolgen. Die Nutzenden finden den E-Scooter mit Hilfe der GPS-Funktion und einer Smartphone-App. Am Ende des Tages werden die E-Scooter beim Free-Floating-Sharing vom Anbieter eingesammelt, aufgeladen und am nächsten Morgen an zentralen Orten aufgestellt. Neuere E-Scooter-Modelle besitzen Wechselakkusysteme, bei denen die Akkus auch direkt vor Ort ausgetauscht werden können.

Bei einem E-Scooter handelt es sich um einen Tretroller, der mit einem Elektromotor ausgestattet ist. Zur Geschwindigkeitsaufnahme sind ein bis zwei Antritte mit dem Fuß notwendig, bis der E-Scooter durch den Motor unterstützt wird. Für den Straßenverkehr sind nur Modelle mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h zugelassen. Das Tragen eines Helms oder der Besitz eines Führerscheins ist für zugelassene E-Scooter nicht erforderlich. Der E-Scooter darf nur durch eine Person genutzt werden.

Mit dem E-Scooter müssen Radwege, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen genutzt werden. Nur wenn diese fehlen, darf die Fahrbahn genutzt werden. Obwohl die Nutzung eines E-Scooters gesetzlich ab einem Alter von 14 Jahren erlaubt ist, liegt die Altersgrenze für das E-Scooter Sharing bei 18 Jahren, da ein Mietvertrag abgeschlossen werden muss.

Zur Nutzung des Sharing-Angebots müssen die Kunden zunächst die Smartphone-App des Anbieters herunterladen und sich registrieren. Der Standort des nächstgelegenen E-Scooters bzw. der nächsten Station wird auf der App angezeigt. Um einen E-Scooter auszuleihen, muss der auf dem E-Scooter angebrachte QR-Code gescannt oder die unterhalb des Codes vermerkte Nummer manuell eingeben werden. Ein voller Akku bietet je nach Modell eine Reichweite von etwa 30 km. Um die Ausleihe zu beenden, wird der E-Scooter abgestellt und der Vorgang per App beendet. 

Für das Ausleihen des E-Scooters wird bei allen Anbietern eine Grundgebühr fällig. Diese beträgt in der Regel einen Euro. Der Preis für die Nutzung variiert je nach Anbieter und liegt häufig zwischen 15 bis 25 Cent pro Minute.

Welche Vorteile bietet das E-Scooter-Sharing?

Das E-Scooter-Sharing ermöglicht eine flexible, leise und emissionsarme Mobilität, insbesondere für Menschen ohne Zugang zu einem Pkw oder ohne Führerschein. Der größte Vorteil besteht in der flexiblen und spontanen Nutzbarkeit. Außerdem werden für die Nutzenden Kosten vermieden, weil die Anschaffungskosten für einen E-Scooter und das Diebstahlrisiko sowie laufende Wartungskosten entfallen. An den Sharing-Stationen können die E-Scooter geladen und an einem zentralen Ort gebündelt werden. Die E-Scooter-Stationen befinden sind in der Regel an ÖPNV-Stationen und Bahnhöfen, wodurch die sogenannte „letzte Meile“ durch den E-Scooter überbrückt werden kann. Zudem profitieren Touristen von einem E-Scooter-Angebot, da so die Ferienregion unabhängig vom Pkw und ÖPNV flexibel erkundet werden kann. 

Was ist für eine erfolgreiche Umsetzung zu beachten?

Seit dem 15. Juni 2019 sind E-Scooter im deutschen Straßenverkehr zugelassen. Erfolgsfaktoren für Verleihunternehmen sind unter anderem die Errichtung von Verleihstationen an zentralen Plätzen und ÖPNV-Haltestellen sowie eine einfach zu handhabende Smartphone-App. Für eine erfolgreiche Umsetzung eines Sharing-Angebotes sollte zunächst durch den Anbieter die aktuelle Situation vor Ort erhoben und eine Bedarfs- oder Potenzialanalyse durchgeführt werden. Anschließend sollten geeignete Kooperationspartner gesucht und Standorte für Verleihstationen identifiziert werden. Im ländlichen Raum und in Urlaubsgebieten bietet sich für eine erfolgreiche Umsetzung die Zusammenarbeit mit lokalen Beherbergungsbetrieben an. Diese können als Verleihstation dienen und das Verleihangebot ihren Gästen vorstellen, wodurch direkt potenzielle Kundinnen und Kunden für die E-Scooter-Nutzung gewonnen werden können.

Bei der Erstellung des Angebotes ist auch festzulegen, ob es sich um ein Free-Floating-Sharing oder ein stationsgebundenes Sharing handeln soll. Des Weiteren sollte die Einführung des Sharing-Angebotes mit entsprechenden Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen begleitet werden. Für den Aufbau und Betrieb fallen einmalige Anschaffungskosten für die Roller und ggf. die Verleihstationen sowie fortlaufende Kosten für Betrieb des Systems, Energie, Wartung, Reparatur und Versicherung an.

Eine Umsetzungsschwierigkeit ist, dass das Free-Floating-Prinzip des E-Scooter-Sharings im ländlichen Raum nur bedingt anwendbar ist. Aufgrund der geringeren Bevölkerungsdichte und niedrigeren Nachfrage ist das Abstellen der E-Scooter an beliebigen Orten eine Herausforderung für den Anbieter und die Nutzenden. Es entstehen beispielsweise lange Suchzeiten für Kundinnen und Kunden. E-Scooter werden womöglich an abgelegenen Orten gar nicht mehr weiterverliehen. Der Anbieter muss beim Free-Floating-Prinzip daher die E-Scooter jeweils einsammeln, aufladen und wieder verteilen. Der E-Scooter dient in vielen Fällen als Ersatz für andere umweltfreundliche Verkehrsmittel. In der Regel wird das E-Scooter-Sharing von Personen genutzt, die stattdessen ein anderes nachhaltiges Verkehrsmittel, wie das Fahrrad, den ÖPNV oder den Fußverkehr, genutzt hätten. Somit kann eine Konkurrenzsituation unter den umweltschonenden Mobilitätsangeboten entstehen.

Potor, Marinela, 06.08.2019: E-Scooter-Sharing: Der große Mobility Mag Guide, Zugriff: https://mobilitymag.de/, Grün, Teilen [abgerufen am 04.05.2020].
Bußgeldkatalog.org, 01.03.2020: E-Scooter kaufen: Was müssen Sie beachten? Zugriff: https://www.bussgeldkatalog.org/, PKW & Krafträder, Fahrrad-Bußgeldkatalog, E-Scooter, E-Scooter kaufen [abgerufen am 06.05.2020].
UBA - Umweltbundesamt, 02.09.2019: E-Scooter momentan kein Beitrag zur Verkehrswende. Zugriff: https://www.umweltbundesamt.de/, Themen, Verkehr Lärm [abgerufen am 06.05.2020].